Eisengießerei

Erster Nationaler Gießereidialog
Politik in die Pflicht genommen

Mit dem ersten Nationalen Gießereidialog ist ein deutliches industriepolitisches Signal für den Erhalt der Gießereien gesetzt worden. Der Handlungsbedarf ist da, denn die Lage in den Gießereien ist sehr ernst.



Mit dem ersten Nationalen Gießereidialog ist am 10. Juli 2026 ein deutliches industriepolitisches Signal für den Erhalt einer Schlüsselindustrie des Industrie-Standortes Deutschland gesetzt worden. Erstmals haben sich die Wirtschaftsminister von zwölf Bundesländern zusammen mit der IG Metall und dem Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) auf ein gemeinsames Positionspapier verständigt.

„Ohne Gießereien gibt es keine starke Automobilindustrie, keinen leistungsfähigen Maschinenbau und keine erfolgreiche klimaneutrale Transformation. Sie sichern Innovation, Beschäftigung und Widerstandskraft unserer Lieferketten. Daher wollen wir die Gießereien zukunftsfähig machen“, erklärte Mona Neubaur, die Wirtschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen.

Die Branche befindet in einer schwierigen Lage. „Für die Gießereiindustrie in Deutschland ist es bereits Fünf nach Zwölf. In den vergangenen fünf Jahren musste rund ein Drittel der Kapazitäten abgebaut werden. Das ist dramatisch. Entsprechend rückläufig ist auch die Zahl der Beschäftigten“, analysiert Sebastian Reinz die Lage. Der Gussbedarf sei aber nicht geringer geworden. „Stattdessen wird nun mehr Guss importiert, auch aus Ländern, in denen die Umweltstandards und Arbeitsbedingungen miserabel sind, ganz abgesehen von dem langen Transportweg“. Der Betriebsratsvorsitzende der Eisengießerei Baumgarte in Bielefeld hat selbst am Nationalen Gießereidialog teilgenommen.

Die Gießereien fordern eine stärkere industriepolitische Begleitung. „Die Gießerei-Industrie mit ihren insgesamt rund 140.000 Arbeitsplätzen muss in Deutschland gesichert werden. Für eine sichere Zukunft der Branche und der Beschäftigten braucht es jetzt: Wettbewerbsfähige Energiepreise, einen starken Carbon-Leakage-Schutz, der die Produktion hier sichert, sowie eine Industriepolitik, die die deutschen und europäischen Wertschöpfungsketten mit Local-Content-Regelungen stärkt“, sagt Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Mit dem Positionspapier fordern die Beteiligten konkrete Maßnahmen, vor allem einen wirksamen Industriestrompreis mit einem Zielwert von 5 Cent pro Kilowattstunde, aber auch schnellere Netzanschlüsse für die Elektrifizierung von Schmelzprozessen sowie Förderprogramme, die auch beim Mittelstand ankommen. „Seit Jahren fordern wir einen Strompreis von 5 Cent, nur der würde uns international wettbewerbsfähig halten und das Sterben der Gießereien stoppen“, ergänzt Sebastian Reinz.

Der Nationale Gießerdialog sei da ein Schritt nach vorne, ist sich Clemens Küpper, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie sicher. Entscheidend werde sein, dass jetzt rasch was passiere und die Gießereien auf der Kostenseite massiv entlastet würden. „Mit dem gemeinsamen Positionspapier richten wir konkrete Erwartungen nach Berlin und Brüssel. Jetzt kommt es darauf an, dass diesem breiten politischen Schulterschluss zügig konkrete Maßnahmen folgen“.

Die Ergebnisse des Nationalen Gießereidialogs sollen im nächsten Schritt in die Branchendialoge der Bundesregierung im Rahmen des Programms für Aufschwung und Beschäftigung einfließen, die für das dritte Quartal 2026 angekündigt sind.

Das Positionspapier: https://www.guss.de/themen/nationaler-giesserei-dialog-2026