„Vierschrötig von Gestalt, immer in wetterfester Pelerine und mit einem Schlapphut bekleidet, persönlich anspruchslos, einfach in der Lebensführung, war er die lebendige Verkörperung des westfälischen Menschen.“, hieß es im Nachruf des SPD-Pressedienstes, der drei Tage nach seinem Tod am 14. April 1956 erschien. Der Bielefelder Sozialdemokrat Carl Schreck war neben Carl Severing einer der maßgeblichen Impulsgeber und Wegbereiter für viele Organisationen, die in und um Bielefeld zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Arbeiterbewegung heraus und teils auch von ihm persönlich gegründet wurden.
In Bielefeld 1873 geboren erlernte Schreck nach dem Besuch der Volksschule das Tischlerhandwerk und bildete sich später noch zum Tischlermeister fort. Nach dem Fall der Sozialistengesetze war er 1890 Mitglied im sozialdemokratischen Verein und dem Tischlerverband (Vorläufer der Holzarbeiter-Gewerkschaft) geworden. Wegen seines Engagements für die Sache der Arbeiter kam er hier auf die „schwarze Liste“ und musste für seinen Lebensunterhalt zunächst auf die Wanderschaft gehen.
Mitgründer der Freien Volksbühne
Wieder zurück in Bielefeld gehörte er 1905 neben Carl Severing zu dem engsten Kreis der Gründer der Freien Volksbühne in Bielefeld, nach Berlin der zweiten Gründung in Deutschland, auf deren Entwicklung und Ausrichtung er über viele Jahre starken Einfluss nahm. Der gemeinsamen Zielsetzung: „Die Kunst dem Volke“ folgten gleich zu Beginn etwa 2.000 Menschen. Es galt, das Bildungsmonopol der Klassengesellschaft zu durchbrechen. Das damalige kulturelle Wirken muss als Pionierleistung gewürdigt werden, da die Gründer der Bielefelder Volksbühne zugleich wesentlich mitbeteiligt gewesen sind bei der Gründung auch des Stadttheaters. Zusammen mit Carl Severing war Carl Schreck von 1919 bis 1933 Vorsitzender der Freien Volksbühne und abermals nach Wiedergründung 1947 von 1949 bis 1952 im Vorsitz der Volksbühne in Bielefeld.
Bevollmächtigter des Holzarbeiterverbands
Sein Wirken ging jedoch weit darüber hinaus. So stand er ab 1905 dem Gewerkschaftskartell in Bielefeld vor und war von 1906 bis 1911 Bevollmächtigter des Holzarbeiterverbands. Für die Zeit zwischen 1913 bis 1933 übernahm er auch den Vorsitz des Bezirksvorstands der Sozialistischen Arbeiterjugend. Auch die Organisation des Arbeitersports war ihm in seiner gesamten politischen Arbeit immer ein Herzensanliegen.
Außerdem gründete Schreck – aus den Erfahrungen seiner eigenen Wanderschaft – 1912 die Bielefelder Ortsgruppe der Naturfreunde. Aus dieser Arbeit entstand das Naturfreundehaus in Oerlinghausen, das er 1914 als erstes in der Region einweihte. Aufgrund seiner Verdienste für die Naturfreundebewegung, für die er auch in der „Internationale“ eine maßgebliche Rolle spielte, wurde das Naturfreundehaus in Löhne-Gohfeld nach seinem Tod nach ihm benannt.
Standhafter Sozialdemokrat
1911 bis 1926 amtierte Carl Schreck als Bezirksparteisekretär und Vorsitzender des SPD-Bezirksvorstands Östliches Westfalen und Lippe. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er 1919 Mitglied in der Weimarer Nationalversammlung und hatte bis 1921 ein Mandat im Preußischen Landtag inne. Von Juni 1920 war er dann bis zum Ende der Weimarer Republik SPD-Reichstagsabgeordneter und galt als einer der besten Redner der SPD-Fraktion, der häufig in Kulturfragen und sozialen Debatten das Wort ergriff. Carl Schreck gehörte zu den standhaften Sozialdemokraten, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz stimmten. Wegen „Verleumdung und Verächtlichmachung der Reichsregierung“ wurde er Anfang April 1933 für sechs Wochen inhaftiert und misshandelt. Am 15. Mai 1933 legte er sein Reichstagsmandat nieder und blieb während der Nazizeit unter polizeilicher Aufsicht.
Nach dem Krieg AWO-Bezirksvorsitzender
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft war Carl Schreck maßgeblich am Wiederaufbau der SPD in Bielefeld und im Bezirk Westfalen beteiligt und nahm seine früheren Aktivitäten als Gründer und Förderer der Volksbühne, der Naturfreunde und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wieder auf. So auch als AWO-Bezirksvorsitzender von 1946 bis 1954 und deren Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod am 14. April 1956 war.
„Nicht das Wort, sondern die Tat entscheidet.“ Mit dieser Grundhaltung hat Carl Schreck den aus der Arbeiterbewegung auch durch ihn gegründeten und geförderten Organisationen und Vereinen, der SPD und den Gewerkschaften in seiner Zeit und im demokratischen Geist ein positives Beispiel gesetzt, das bis heute nachwirkt.
Die Namen seiner Mitstreiter Carl Hoffmann und Carl Severing sind in Bielefeld durch Straßennamen und dem Berufsschulzentum präsent. Bis zur Erweiterung der nahen Schule trug die als „Linke Baracke“ bekannte Begegnungsstätte der Bielefelder „Falken“ an der Melanchthonstraße, die er 1926 selbst eingeweiht hatte, seinen Namen.