Betriebsräte Künstliche Intelligenz mitbestimmen

Im Mittelpunkt einer Betriebsrätekonferenz in OWL stand die Frage, wie Beschäftigte den Wandel, der mit Künstlicher Intelligenz im Betrieb einhergeht, mitgestalten können.

Kuenstliche


Berufserfahrung alleine schütze nicht mehr, warnt Andrea Nahles, die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Künstliche Intelligenz (KI) werde die Arbeit in allem Bereichen verändern. In unterschiedlichem Maße ist die KI in den Betrieben angekommen, in den Büros, in der Logistik und in der Produktion, Unter dem Motto „Erkennen, Verstehen, Mitbestimmen“ fand die Betriebsrätekonferenz der IG Metall NRW zur Künstlichen Intelligenz fand am 16. Juni in Bielefeld statt. Im Mittelpunkt der teilnehmenden Betriebsräte aus Ostwestfalen-Lippe standen die Fragen, wie Künstliche Intelligenz in den Betrieben eingesetzt wird – und wie Beschäftigte diesen Wandel aktiv mitgestalten können. Themen waren unter anderem die Auswirkungen auf Arbeitsprozesse, die Rolle der Mitbestimmung sowie Qualifizierung und ethische Fragen.

 „Die Lösung liegt weder in Alarmismus noch im Abwarten, sondern in aktiver Gestaltung,“ betont Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW bei der Konferenz. Gerade die Mitbestimmung spiele dabei eine zentrale Rolle. Es müsse verhindert werden, dass KI ohne betriebliche Regeln eingeführt werde. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, verbindliche betriebliche Leitplanken zu setzen: „Diese Technologie verändert Arbeit – aber wie sie das tut, ist von uns gestaltbar.“

Konkret bedeutet das: Betriebsräte müssen bereits einbezogen werden, bevor KI-Systeme eingeführt werden. Geplante Einsatzbereiche und Funktionsweisen muss der Arbeitgeber transparent darstellen. Der Einsatz von KI ist mitbestimmungspflichtig. Betriebsvereinbarungen schaffen klare Regeln, wie mit Daten umgegangen werden dar und wie die Beschäftigten vor Überwachung geschützt werden. So werde Mitbestimmung nicht nur zum Schutzinstrument, sondern zu einem aktiven Hebel, um KI im Sinne guter Arbeit und zukunftsfähiger Beschäftigung zu gestalten, führt Knut Giesler weiter aus.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualifizierung: Es brauche Angebote für alle Beschäftigten, damit niemand den Anschluss verliere, führt der Bezirksleiter weiter aus. Beteiligungsformate – etwa Workshops, Arbeitsgruppen und betriebliche Pilotprojekte – sollen sicherstellen, dass die Erfahrungen der Beschäftigten direkt in die Gestaltung der Systeme einfließen.

Die Konferenz machte deutlich, dass KI nicht zwangsläufig Arbeitsplätze vernichtet, sondern vor allem Tätigkeiten verändert. Entscheidend sei, ob Unternehmen die Technologie ausschließlich zur Kostensenkung oder als Grundlage für Innovation und gute Arbeit nutzen.

Die Ergebnisse der Konferenz sollen in die weitere gewerkschaftliche Arbeit in Ostwestfalen-Lippe einfließen und in konkreten Unterstützungsangeboten für Betriebsräte münden. 


Hintergrund, wer tiefer einsteigen will

Andere KI ist möglich 

Die Fortschritte der künstlichen Intelligenz sind enorm, werfen aber auch die Frage auf, wozu die Technologie dienen soll. Eine computergesteuerte Gesellschaft muss nicht das Ergebnis sein, vielmehr können intelligente Technologien Potenziale erschließen, die menschliche Kreativität zu bereichern. Dies ist auch für die Produktionswelt relevant. Der höchst interessante Text von Evgeny Morozov in der Zeitschrift ›Le Monde Diplomatique‹ ist hier zu lesen.


Wenn Arbeit knapp wird 

Die halbe Welt spricht darüber, wie Künstliche Intelligenz Jobs vernichten wird. Dem widerspricht der Arbeitssoziologe Florian Butollo vehement: Künstliche Intelligenz sorge für eine weitere Ausdifferenzierung der Arbeitswelt, und die habe neue, menschliche Beschäftigung zur Folge. Trotz aller aktuellen Krisen ist sich Florian Butollo sicher: Die Zukunft der kapitalistischen Gesellschaft wird von einem Mangel an Arbeitskräften geprägt sein. Darauf sollten sich auch die Beschäftigten einstellen. Finn Gölitzer bespricht das Buch »Das knappe Gut Arbeit« im ND, hier nachzulesen.