Der Kapitalismus gehört abgeschafft, ist sich Elfriede Haug auch mit 95 Lebensjahren sicher und fügt an: „Wir sollten ihre Kriege nicht mitmachen“. Sich verbiegen war noch nie ihre Sache. Nun wird sie die Ehrenmitgliedschaft der IG Metall erhalten, eine besondere Auszeichnung, die nur wenigen zugesprochen wird. „Voraussetzung dafür sind 70 Jahre Mitgliedschaft und besonderes Engagement in der Gewerkschaft“, erläutert Oguz Önal, Mitglied der Geschäftsführung der IG Metall.
Geboren wurde sie 1930, in Wilhelmshaven, an einer großen Meeresbucht der Nordsee gelegen – einer Stadt, die sich schon damals ganz offen mit dem Zusatz „Kriegsmarinestadt“ schmückte. Ihre Mutter Triendje kam aus Ostfriesland, ihr Vater Karl hingegen hatte einen weiten Weg hinter sich. Ihr Opa väterlicherseits wanderte von einem Ort nahe Reutlingen in Württemberg nach Basel in die Schweiz aus, weil er Arbeit suchte. Aufgezogen wurde er letztlich von der Mutter, denn der Vater ließ sich vom Versprechen nach Gold und Wohlstand in den Vereinigten Staaten magisch anziehen. Er setzte über den Atlantik und wollte Frau und Kinder nachholen. Doch die Familie hörte nie wieder was von ihm.
Karl war das jüngste von vier Kindern, er lernte Feinmechanik und arbeitete anschließend in der Schweizer Uhrenindustrie. Seinen deutschen Pass hatte er weiterhin. 1917 wollte ihn das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg hineinziehen, er sei „Württemberger und somit Deutscher“, wie es im Schreiben hieß. Er lachte herzhaft, weil er, als in der Schweiz Geborener, sich längst und vollständig als Schweizer fühlte. In den Folgejahren „tippelte“ er, wie Elfriede Haug es ausdrückt. Auf der Suche nach Arbeit überquerte er wieder die Grenze, so dass Elfriede Haug in Wilhelmshaven geboren wurde.
Straßenkind ohne Lust auf Schule
Die kleine Elfriede war ein Straßenkind. Sie wuchs im Quartier mit anderen Kindern auf. „Wir waren bunt gemischt, jüngere und ältere Kinder. Die Älteren haben uns was beigebracht, auch rechnen und schreiben. Entsprechend schwer ist mir die Schule gefallen. Mit Gleichaltrigen in einer Klasse lernen, das konnte ich gar nicht“, erinnert sie sich. In der Zeit war sie ständig krank, „ich hatte alles, was man haben kann“, so musste sie nur wenig Zeit in der Schule verbringen. Ihre Mutter konnte ihre Arbeit, die sie zu leisten hatte, um Sozialhilfe zu erhalten, beenden, weil das Kind zu Hause betreut werden musste – und bekam fortan eine kleine Beihilfe von der Stadt als Kredit.
Als sie mit ihrer Mutter in einer Gaststätte in der Nachbarschaft verweilte, versprach ihr ein Gast ein Bonbon, wenn sie etwas singen würde. „Da habe ich die Internationale angestimmt. Meine Mutter kam sofort, packte mich und zog mich aus der Kneipe. So schnell habe ich sie noch nie laufen sehen“, sagt Elfriede Haug. Inzwischen war der Nationalsozialismus an der Macht und die Gefahr groß, denunziert zu werden.
Den Eltern war bewusst, dass das Kind möglichst viel Bildung brauchte, um eine gute Zukunft zu bekommen. Der Vater wuchs mit Deutsch, Französisch und Italienisch auf, entsprechend sagte er zu Elfriede schon als kleines Kind, sie brauche Fremdsprachen. In der Volksschule wurden die nicht unterrichtet. Ein Gymnasium war für das Kind der Arbeiterfamilie nicht drin, der Besuch kostete zu viel. Aber eine Mittelschule schien machbar, für 10 Mark Gebühr im Monat. Wenn der Vater nichts verdiente, streckte die Stadtkasse vor, aber nur, um den Betrag anschließend zurückzufordern. „Noch nach dem Krieg haben wir die Schule und obendrauf auch noch die Sozialfürsorge abbezahlt“, erinnert sich Elfriede Haug.
Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten stieg der Druck auf den Vater, er wurde festgesetzt und 1933 in Esterwegen, einem der ersten Konzentrationslager, interniert. Dort kam er 1937 wieder raus, um zwangsverpflichtet in der Gegend von Landau in der Pfalz am Westwall zu arbeiten. Eine gigantische militärische Anlage wurde dort gebaut, über 600 Kilometer lang an der Grenze zu den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Dann wurde er nach Wilhelmshaven zurückgeschickt. In der Rüstungsindustrie wurde er als Dreher zwangsverpflichtet, schuftete 60 Stunden in der Woche, erhielt 81 Pfennig Akkordlohn in der Stunde. Das war auch damals schon sehr wenig Geld.
„Auf dem Präsentierteller“
1939 begann der Zweite Weltkrieg. „Wir saßen in Wilhelmshaven auf dem Präsentierteller“, erinnert sich Elfriede Haug. Denn die Werft mit ihren vier Schleusen war enorm wichtig für die Rüstungsindustrie, und mit Kriegsbeginn nahmen sie die alliierten Bomber ins Visier. „In späteren Kriegsjahren hatten wir ständig Fliegeralarm. Die Flugzeuge kamen entweder gezielt. Oder sie warfen über der Deutsche Bucht die Bomben, die sie übrig hatten, ab, weil Wilhelmshaven auf ihrer Route nach Berlin lag“.
Bereits bei Kriegsbeginn, als die meisten Deutschen siegesgewiss waren, machten sich die Eltern Gedanken, wo ihr Kind am sichersten ist. So landete sie zeitweise bei Verwandten auf dem Dorf. Ihre Eltern lebten zu der Zeit weiter im Wilhelmshaven. Die Mutter schlug sich als Hotelangestellte durch oder wurde als Arbeitsmaßnahme verpflichtet, Wehrmachtsuniformen zu schneidern und auszubessern.
Später im Krieg verschickte der Staat gezielt Kinder. Die Schüler der Mittelschule in Wilhelmshaven, die Elfriede inzwischen besuchte, wurden für neun Monate nach Zell am See bei Salzburg verbracht. Weitere Verschickungen sollten 1943 folgen, in die Karparten und dann nach Pommern. „Da hat mein Vater gesagt, da fährst Du auf keinen Fall hin. Er hat gesehen, dass dort der Krieg bald ankommt. Mein Vater war ein kluger Mann“, sagt sie.
Stattdessen ging es für Elfriede, inzwischen im jugendlichen Alter, wieder aufs Land und von dort zur Bürgerschule in Augstfehn, wo auch Englisch unterrichtet wurde. Doch die Züge vom Dorf zur in der nächsten Stadt gelegenen Schule wurden von Fliegern angegriffen, obwohl sie extra schon immer früh morgens und abends im Dunkeln fuhr. „Beim zweiten Mal bin ich nur knapp aus dem Zug gekommen“, sagt sie. Danach, inzwischen war es Ostern 1945, wollte sie das Risiko nicht mehr eingehen und blieb der Schule fern.
Nach der Kapitulation marschierten kanadische Truppen in Wilhelmshaven ein. Der Vater wurde in der Kommandantur vorstellig und wollte eine kommunistische Partei anmelden, was abgelehnt wurde. Seine Anmeldung einer Gewerkschaft hingegen wurde genehmigt. Elfriede Haug übersetzte für die Alliierten und besuchte ab April 1946 wieder ihre alte Mittelschule. Englisch ergänzte sie durch Französisch, 1948 machte sie ihre Mittlere Reife.
„Aus fast Gar Nischt was machen“
Danach wollte sie Schneiderin werden. „Aus fast Gar Nischt was zu machen, hatte ich gesehen und fand das was Schönes“, erinnert sie sich. Ihr Vater fand den Beruf aber gar nicht passend, weil schlecht bezahlt und ohne Perspektive. Also fing sie bei einer Druckerei an, geführt noch vom gleichen Unternehmer wie zur nationalsozialistischen Zeit, als sie Teil eines NS-Gauverlags war. „Der Chef Brune, so hieß er, wusste um meinen Vater, der inzwischen im Stadtparlament war, und wollte sich für die neuen Zeiten wohl rückversichern. Also konnte ich als Lehrling in der Buchhaltung anfangen. Ich konnte mich aber in der ganzen Druckerei bewegen und lernte viel über den ganzen Druckprozess, über die Verwaltung, sogar Korrektur habe ich gelesen“, erinnert sie sich. Die Druckerei hatte die einzig noch funktionsfähige Rotationsmaschine in der Stadt, in der Folge wurde dort wieder die SPD-nahe Wilhelmshavener Zeitung gedruckt.
„Der Chef hat mir sogar am Samstag freigegeben, obwohl der damals noch Lehrtag war, damit ich zu Versammlungen fahren konnte“, sagt sie. Damals war sie bereits in der 1946 gegründeten Freien Deutschen Jugend (FDJ) aktiv. 1951 dann legte sie erfolgreich ihre Prüfung zur Kaufmannsgehilfin ab, noch ein halbes Jahr blieb sie in der Druckerei beschäftigt.Noch in ihrer Lehrzeit trat sie in die soeben gegründete IG Druck und Papier ein. „Anfang der 1950er Jahre ging es um die Einführung der Bundeswehr und die Mitgliedschaft in der NATO, Deutschland wollte wieder mitmischen, und zwar nicht irgendwo, sondern an der Spitze. Da waren wir eindeutig dagegen, gerade mit der Geschichte im Rücken, die noch ganz frisch und gegenwärtig war“.
Auch in der FDJ, antifaschistisch und sozialistisch aufgestellt, war sie aktiv. „Wir haben Lieder gesungen, sind auch auf die Veranstaltungen der KPD gegangen und haben dort Sketche für die Älteren vorgetragen. Das kam gut an“, erinnert sie sich. Im August 1949 folgte der Eintritt in die Kommunistische Partei. „Die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Deutschland war noch nicht vorbei, wir trafen uns als Jugendorganisation in ganz Deutschland, so etwa 1950 in Berlin“.
„Mein Vater erlaubte mir, auch sagen zu dürfen, dass er im Konzentrationslager gewesen sei, falls das hilfreich sei, um an einen Studienplatz zu kommen“. Ihre Studienpläne wurden konkreter, als sie am Weltjugendtreffen 1951 in Berlin teilnahm. Dort erfuhr sie, dass es in Leipzig möglich war, Journalistik und Publizistik zu studieren – auch ohne Abitur. „Schreiben konnte ich, machte ich gerne, zudem hatte ich ja in einem Verlag gelernt, da wollte ich hin“. Sie wurde angenommen, neben ihr noch rund 20 weitere junge Menschen aus der Bundesrepublik.
1954 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom ab und begann noch im selben Jahr bei der Niedersächsischen Volksstimme als Redakteurin – und gleich als Seitenverantwortliche für die Politik auf Seite 2 und Wirtschaft. 1956 wurde die KPD in der Bundesrepublik verboten und mit ihr die der Partei nahestehende Zeitung. „Auch das Geld wurde beschlagnahmt. Die IG Druck und Papier hat dann dafür gesorgt, dass ich zumindest mein ausstehendes Gehalt erhalte“, blickt sie zurück. Die moderne Druckerei in Hannover-Linden wurde nur vorübergehend geschlossen, sie bekam der Verlag der SPD-nahen Zeitung Hannoversche Presse. Und in das Gebäude der KPD in Hannover zog die Polizei des Landkreises Hannover ein.
Zu dieser Zeit pflegte sie näheren Kontakt zu einem Kollegen, den sie bei der Niedersächsischen Volksstimme kennenlernte. Die beiden dachten über ein gemeinsames Leben nach – allerdings arbeitete ihr Freund Alfred Wurbs inzwischen als Schriftsetzer in Bielefeld. „Bielefeld, das klang viel gemütlicher. In Hannover musste ich jeden Tag quer durch die Stadt, da der Verlag außerhalb in Laatzen lag“.
Klare Ansagen in Bielefeld
In Bielefeld bewarb sie sich an verschiedenen Stellen, genommen wurde sie bei Linde-Kühlanlagen. Auch hier hatte sie es wieder mit einem Chef zu tun, der zuvor Nationalsozialist war „Ich habe ihm gleich gesagt, was meine Bedingungen sind: Acht-Stunden-Tag, Tarifgehalt. Und ich sagte ihm, dass ich in der Gewerkschaft bin“. Die Firma stimmte zu, fortan managte Elfriede Haug den Kundendienst, plante und rechnete ab. Inzwischen war es 1959, Anfang der 1960er wollte sie eine Gehaltserhöhung. Von 400 auf 450 Mark. Der Chef lehnte ab. Elfriede Haug kündigte.
Und so kam sie zu Riedel & Co, eine der vielen metallverarbeitenden Unternehmen in Bielefeld. 1920 gegründet, stand die Fabrik mitten in der Stadt nahe der heutigen Agentur für Arbeit an der Werner-Bock-Straße. Sie war spezialisiert auf die Fertigung von Galvanisierungsgeräten und -anlagen zur Verchromung von Schreibmaschinen-, Auto- und Elektrobauteilen – ein Firmenteil existiert heute noch als Riedel Filtertechnik mit einem Standort in Künsebeck außerhalb Bielefelds.
„Dort bekam ich auf Anhieb 650 Mark“, sagt sie. „Wir waren zu viert, ein tolles Team in der Buchhaltung“. Damals tauchten die ersten Verarbeitungsmaschinen auf, es gab automatisierte Datenverarbeitungen und Druckautomaten, das meiste wurde aber noch von Hand erledigt. 13 Jahre, bis 1975 blieb sie bei Riedel, bis der Standort in der Bielefelder Innenstadt aufgelöst wurde. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, mit nach Künsebeck umzuziehen, doch das wollte sie nicht, zu weit weg, zu lange Wege jeden Tag. Zumal sie ohne Führerschein und Auto lebte. „Damals hat mir die IG Metall geraten, nicht selbst zu kündigen, sondern auf eine Entlassung aus Rationalisierungsgründen zu warten, denn die bringe eine Entschädigung. So erhielt ich zum Abschluss noch 10.000 Euro, damals eine ordentliche Summe“, sagt sie. Nach zwei Überbrückungsanstellungen, unter anderem bei Drecksheide an der Herforder Straße, ging sie zu Boge, genauer, am 1. April 1976 begann sie dort und blieb bis zu ihrem Renteneintritt am 30. September 1990.
Als Betriebsrätin engagiert
Bei Riedel war sie rasch Betriebsrätin geworden, bei den Wahlen nach ihrem Arbeitsbeginn 1962. Als solche hatte sie alle Hände voll zu tun. Auch bei Boge wurde sie rasch ins Gremium gewählt. „Das hat der Firma damals nicht gefallen, dass ich als Buchhalterin, als Angestellte engagiert bin und Betriebsrätin wurde“. Zu der Zeit wurde sie auch Delegierte der IG Metall Bielefeld. Was sie auch blieb, unterbrochen nur von einer Wahlperiode, wo die IG Metall meinte, mal jemand anderen aus dem Betrieb für die Delegiertenversammlung aufzustellen. Inzwischen ist sie bundesweit die älteste Delegierte der IG Metall.
„Bei Boge hatten wir viel damit zu tun, darauf zu achten, dass die Kollegen nach Tarif bezahlt wurden“, erinnert sie sich. Wer höher eingruppiert wurde, hat selbstverständlich auch das Recht auf Tariferhöhung. Die Personalabteilung versuchte sich da drumherum zu mogeln. „Ich hatte so manches Gespräch. Da hieß es dann, wir erkundigen uns beim Arbeitgeberverband und ich antwortete, ich erkundige mich bei der IG Metall. Und kurze Zeit später hieß es dann, Frau Haug, sie hatten nicht unrecht“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
„Die Zeit bei Boge war intensiv und schön. Denn bei allen Streitereien war die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung gut“. Mit 50 Jahren, 1980, hat sie dann doch noch ihren Führerschein gemacht, denn da zog Boge von der Meller Straße in der Innenstadt nach Jöllenbeck. „Ich bin erst ein Jahr in der Stadt gefahren, sozusagen zur Probe, und dann habe ich mich an die Strecke nach Jöllenbeck gewagt“, berichtet sie. Noch heute wird zu den jährlichen Mitarbeiterfeiern bei Boge eingeladen und geht gerne hin. Der ehemalige Chef sah sie bei einer Feier, stutzte, weil er sie nicht einordnen konnte. Als Elfriede Haug ihn daran erinnerte, dass er damals, offenbar um den Betrieb in Gänze kennenzulernen, in der Poststelle geholfen habe, wusste er wieder, mit wem er es zu tun hat.
Mit dem Renteneintritt veränderte sie ihr Leben, mit der für sie typischen Mischung aus Disziplin, Neugier und Freude. „Mein Mann starb leider, unser Vorhaben, gemeinsam zu reisen, konnten wir nicht mehr umsetzen. Ich wollte aber nicht mit 60 Jahren hinter dem Ofen verschwinden und auf das Lebensende warten“. Hat sie auch nicht. Sie krempelte ihr Leben um und reiste, meistens mehrmals im Jahr. „Bis auf die USA, Australien und Japan war ich überall“, sagt sie. Alleine zweimal war sie Teil einer Arbeitsbrigade in Kuba.
An sozialen Kämpfen beteiligt
An den Kämpfen um die Ravensberger Spinnerei und um das Wiesenbad nahm sie energisch teil. Das war in den 1980ern, noch vor ihrer Rente. Die Flachsspinnerei sollte nach ihrem Konkurs und Verkauf an die Stadt 1966 abgerissen werden, eine fette Straße her, wenn es nach dem Willen der Stadt gegangen wäre. Viele Bürger wehrten sich, darunter auch Elfriede Haug. Dafür musste sie sich Sprüche von fortschrittsfehlgeleiteten Politikern anhören, die da lauteten „Elfriede, Du willst doch nicht etwa die Zwingburgen des Kapitalismus erhalten“. Doch, wollte sie. Und daraus ist ab 1986 das Gebäude der Volkshochschule geworden, welches heute nicht mehr wegzudenken ist.
Ähnlich ging es beim benachbarten Wiesenbad zu. Der Verfall des in den 1920er Jahren eröffneten Bades zeichnete sich in den 1970ern ab, die Stadt zeigte wenig Interesse, zu sanieren. 1984 sammelte die DKP, Elfriede Haug mittendrin, mit der Aktion „Rettet das Wiesenbad“ innerhalb weniger Monate 6.500 Unterschriften. CDU und FDP wollten privatisieren, ein kommerzielles Bad an dessen Stelle, konnten sich aber nicht durchsetzen. Die Wähler entschieden sich bei den Kommunalwahlen am 30. September 1984 in einer Abstimmung für den Erhalt des Bades in öffentlicher Hand.
Elfriede Haug nutzt das Freibad noch heute: Eisern und frohgemut zieht sie dort von Mai bis September ihre Bahnen. Und so hatte sie zu ihrem 95-Geburtstag Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer eingeladen, alle schon älter, alles nette, liebenswerte Menschen. „Wir schwimmen nicht nur zusammen, wir reden auch über Politik“. So ist das mit Elfriede Haug, Leben und Politik in enger Verbindung.