Gedenkstättenfahrt "Sehr eindrücklich"

Die Gedenkstättenfahrt der IG Metall Bielefeld ging 2026 in die Euthansie-Tötungsanstalt in Hadamar und nach Kalmenstein, eine Anstalt, die als Zwischenort auf dem Transport diente.

Hadamar


„Sehr eindrücklich“,sagt Ralf Redeker mit Blick auf das Erfahrene und Erlebte bei der inzwischen elften Gedenkstättenfahrt der IG Metall Bielefeld. In diesem Jahr ging es am 20. Juni nach Hadamar in Hessen, eine der zentralen Euthanasie-Tötungsanstalten des Nationalsozialismus und zum Kalmenhof in Idstein, der damals vor allem als Zwischenstation für Deportationen diente, in dem aber auch direkt 800 Menschen ermordet wurden. In Hadamar wurden rund 15.000 Menschen getötet.

„Grundsätzlich wusste ich schon einiges über das Euthansieprogramm der Nationalsozialisten, aber eine solche Anstalt mit eigenen Augen zu sehen ist noch mal was anderes. Da wird die ganze perfride Umgangsweise anschaulich und man erhält eine Ahnung von der Grausamkeit“, fügt Ralf Redecker hinzu.

Die 19-köpfige Gruppe erhielt eine Führung über das Gelände in Hadamar. Dazu gehörte, durch die Garage zu gehen, in der die Menschen in verdunkelten Bussen ankamen. Das Tageslicht sahen sie nicht mehr, von dort aus trieb sie das Personal über einen Schleusengang in den angeblichen Duschraum, wo sie vergast wurden. Alleine dort kamen 10.000 Menschen ums Leben.

Die Gebäude wurden zuvor als Landes-Heil- und Erziehungsanstalt genutzt. Menschliches Leben als unwert zu definieren, diesen Gedanke gab es schon vor 1933, die Nationalsozialisten griffen ihn auf und machten daraus ein Tötungsprogramm. Ab 1934 wurden die Bewohner aller Anstalten erfasst, die Zwangssterilisation begann. 1941 starteten die Euthanasie-Morde in Hadamar und weiteren Tötungsanstalten.

Obwohl die beiden großen Kirchen von den Tötungsanstalten wussten, gab es kaum öffentlichen Protest. Eine der Ausnahmen war der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen, der sich hörbar gegen die Euthansie positionierte. Die Gasmordaktionen wurden nach rund einem halben Jahr tatsächlich abgebrochen. Doch das Töten endete nicht, es änderten sich nur die Methoden. Die Menschen mit Behinderung wurden nicht mehr ausreichend versorgt, viele verhungerten.

In Hadamar wurde ab 1943 zudem ein angebliches Erziehungsheim für sogenannte jüdische Mischlingskinder eingerichtet. Die Kinder wurden ermordet. Auch an Tuberkulose erkrankte Zwangsarbeiter wurden dort umgebracht. Selbst Soldaten und SS-Angehörige, die psychisch erkrankten und als unheilbar eingestuft wurden, wurden dort ermordet. „Erinnerung ist kein Ritual – Erinnerung ist Verteidigung einer offenen und solidarischen Gesellschaft. Genau deshalb setzen wir, die IG Metall Bielefeld, unsere jährlichen Gedenkstättenfahrten fort“, sagt Oguz Önal, Mitglied der Geschäftsführung der IG Metall Bielefeld.

Mehr Informationen: https://www.gedenkstaette-hadamar.de

https://www.gedenk-und-lernort-kalmenhof.de