Edith Echterdieks Arbeitsleben war eng verknüpft mit der Textilindustrie in Bielefeld, die noch vor einem halben Jahrhundert um die 10.000 Menschen beschäftigte. An die Blüte und den Niedergang, der sich vor allem in den 1980ern durch Betriebsschließungen oder Verlagerungen ins Ausland vollzog, erinnert sich Edith Echterdiek, die am 10. April 2026 ihren 90. Geburtstag feierte, gut. Ging es darum, bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten, war die langjährige Betriebsrätin eine treibende Kraft.
„Den Kampf um unsere Arbeitsplätze haben wir leider verloren“, blickt die gelernte Näherin zurück. Unter dem Motto „Mein Arbeitsplatz muss bleiben“ trugen die Arbeiterinnen – in der Branche waren fast ausschließlich Frauen beschäftigt – ihren Protest nach Bonn, damals Regierungssitz, und nach Brüssel zur Europäischen Union. „Wir waren viele und sind von Bielefeld aus mit Bussen angereist“.
Das Tempo in den Hallen und Werkstätten war extrem hoch, genäht wurde im Akkord, die Löhne hingegen waren niedrig. „Die Geschwindigkeit war auf Dauer nicht durchzuhalten, viele Kolleginnen bekamen körperliche Probleme“, erinnert sie sich. Die Betriebsrätin hängte sich rein und schaffte es gemeinsam mit anderen, Verbesserungen durchzusetzen. Als Mitglied der bundesweiten Tarifkommissionen der damaligen Gewerkschaft Textil-Bekleidung verhandelte sie bessere Löhne.
Edith Echterdiek arbeitete nach ihrer Ausbildung zunächst beim Bekleidungshersteller Helmold in Brake. Der Firma hatte alle Hände voll zu tun und mietete sogar leer stehende Garagen und Schulgebäude an, um dort Maschinen aufzustellen und Näherinnen hinzusetzen. Aber Ende der 1970er Jahre ist Schluss, der Hemdenhersteller Lincron aus Lingen übernahm – um dann später den Standort aufzugeben und im Ausland zu produzieren.
Edith Echterdiek wechselte zu Windsor, dort habe man „Edelklamotten“ genäht, wie sie es formuliert. Sie wird auch dort promt zur stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Heute gibt es die Marke weiter, genäht wird in Bielefeld aber längst nicht mehr.
Auch in der Rentenzeit aktiv
Nach ihrem Renteneintritt 1998 bleibt Edith Echterdiek aktiv. Die Gewerkschaft Textil-Bekleidung wird Teil der IG Metall – und fortan engagiert sie sich dort und im Deutschen Gewerkschaftsbund vor allem mit und für Frauen. Sie war im Vorstand des IG Metall-Seniorenarbeitskreises, setzte sich für soziale Mindeststandards in der Textilbranche weltweit ein.
Auch außerhalb der Gewerkschaft wirkte sie, etwa indem sie sich in den 1970ern an dem Kämpfen für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 beteiligt.
Ihr Leben lang eng verbunden ist sie mit der SPD und der Arbeiterwohlfahrt (AWO), wo sie bis heute in Brake Mitglied ist. Folgerichtig lebt sie seit zwei Jahren in einem Seniorenheim der AWO im nahen Baumheide.
Eine Herzensangelegenheit ist für sie die Volksbühne in Bielefeld, die einer breiten Bevölkerung die Welt der Theaterkultur öffnet. Dort war sie zehn Jahre im Vorstand. Lange Jahre war sie zudem gewähltes Mitglied im Bielefelder Seniorenrat. 2004 erhielt sie für ihre vorbildliche Haltung im Dienst für andere den Verdienstorden am Band der Bundesrepublik Deutschland.
„Wir gratulieren Edith Echterdiek von ganzem Herzen“, sagt Martina Bee, Mitglied der Geschäftsführung der IG Metall Bielefeld, „ihr Einsatz für Gerechtigkeit innerhalb und außerhalb der Werkstore, besonders für Frauen, ist für uns ein Vorbild und motiviert uns, dran zu bleiben“.
Artikel auf der Website der IG Metall über die Geschichte der Verlagerung in der Textilindustrie