Betriebsräte in der Praxis Machen statt meckern

Drei Betriebsräte von Boge und Welland & Tuxhorn berichten, was sie in ihrer Arbeit als Interessenvertretung bewegt und was sie bewegen können.

Ein starkes Team für die Beschäftigten bei Boge:<br/>Christian Klingberg und Claudia Wipijewski.


Christian Klingberg mag seinen Job im Sonderanlagenbau bei Boge sehr. Als ihn der Betriebsrat vor zweieinhalb Jahren zum Vorsitzenden wählte, ließ er sich dann aber doch von seiner üblichen Arbeit freistellen. Es ist viel zu tun als Interessenvertretung, viel Verantwortung für die fast 500 Beschäftigten zu schultern.

Er und seine Stellvertreterin Claudia Wipijewski treten beide wieder an zur Betriebsratswahl in diesem Frühjahr. Sie sind präsent im Werk in Jöllenbeck. Der 45-Jährige geht regelmäßig durch die Hallen und Büros des Kompressorenherstellers. Er erkundigt sich dann, bekommt Positives mit auf den Weg, erfährt auch von Problemen. Claudia Wipijewski ist es wichtig, miteinander zu sprechen und Lösungen zu finden. »Manchmal fühlt sich jemand schlecht behandelt, durch Kollegen oder Vorgesetzte. Dann bitte ich beide Seiten zum Gespräch. Von außen draufzuschauen, ist da hilfreich. Meistens gibt es eine Lösung«, sagt die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau, die bei Boge als nicht freigestellte Betriebsrätin Versandunterlagen für internationale See- und Luftfrachttransporte an Tochterfirmen erstellt.

Jutta Maßmann erstellt als technische Zeichnerin Maßblätter für Armaturen, die als Angebote an potenzielle Kunden rausgehen. Das macht sie bei Welland & Tuxhorn. Das Unternehmen liegt in Brackwede – und in Familienhand. Es feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum, baut Regelarmaturen für Kraftwerke aller Art. Die Auftragsbücher waren noch nie voller, so hat Jutta Maßmann beide Hände voll zu tun, um Zeichnungen zu erstellen. Sie ist als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende nicht freigestellt – alles, was sie in dieser Funktion anpackt, ist ehrenamtlich und zusätzlich zum Job. »Nicht meckern, sondern machen«, sagt die 52-Jährige.

In dem Unternehmen sind viele in zweiter Generation in Arbeit und Brot. Ein gutes Zeichen. Auch ihr Bruder Harald arbeitet in dem Betrieb mit knapp 200 Beschäftigten. Ihr verstorbener Vater Rudolf Bondzio war dort 20 Jahre Betriebsratsvorsitzender.  »Der neue Vorsitzende Bernd Ickler und ich haben das Betriebsratsteam neu strukturieren können«, berichtet Jutta Maßmann. Arbeits- und Gesundheitsschutz ist ein zentrales Thema ihrer Betriebsratsarbeit. Im Werk 2 thront ein riesiges Bohrwerk. Beim Bearbeiten entstehen Metallspäne von bis zu 25 Zentimeter, die weit fliegen. Der Betriebsrat konnte erreichen, dass eine Abdeckung die Kollegen auf den Wegen um die Maschine herum nun vor der Gefahr schützt. Ein Beispiel von vielen.

Jutta Maßmanns Schwerpunkt in ihrer Arbeit als Betriebsrätin sind Eingruppierungen und Leistungsbeurteilungen. »Wir versuchen den Tarifvertrag umzusetzen, damit jeder das bekommt, was ihm vertraglich zusteht«, sagt Jutta Maßmann.

 »Wir überlegen, künftig einmal in der Woche ein Betriebsratsthema kurz und knapp über den digitalen Weg zu erläutern«, schaut Claudia Wipijewski nach vorne, »wir wollen noch sichtbarer werden«. Alle drei sind sich aber sicher, dass ihr Betriebsrat von den Kollegen bereits heute gesehen wird.

Der Betriebsrat bietet Beschäftigten zudem an, sie beim Personalgespräch zu begleiten. »Es gibt Kollegen, die trauen sich nicht, allein mit dem Chef zu reden. Wir mischen uns nicht ein, versuchen aber Sicherheit zu geben«, sagt sie.

Spaß mache ihr die Betriebsratsarbeit, sie könne mitgestalten, sagt Claudia Wipijewski. Sie treibt ihr Sinn für Gerechtigkeit an. Christian Klingberg findet seine Arbeit für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen bereichernd, er lerne eine Menge dazu. Und er ermuntert alle, selbst über eine Kandidatur zum Betriebsrat nachzudenken. »Wer für Fairness im Betrieb sorgen will, ist im Betriebsrat richtig«. Einige hätten jedoch Befürchtungen geäußert, allein zu Weiterbildungsseminaren zu gehen, ein Betriebsrat sollte sich nach der Wahl gründlich qualifizieren. Dies sei unbegründet, »dort sind immer Menschen mit ähnlichen Interessen«.

»Die IG Metall vernetzt uns, etwa durch Empfänge und Schulungen nach den Wahlen. Sie vermittelt über ihre Seminare wesentliches Wissen. Und man kann sich in Ausschüssen und Arbeitsgruppen engagieren«, sagt Claudia Wipijewski. »Und ganz wichtig: Tarifverträge sind Gewerkschaftssache«, ergänzt Christian Klingberg.

Wenn ihr Arbeitgeber eine gute Idee habe, sie aber nicht rüberbringen könne, übersetze der Betriebsrat auch schon mal, fügt Claudia Wipijewski an. Sie seien eben viel näher dran an den Beschäftigten. »Wir führen menschliche und betriebliche Belange zusammen«, ergänzt Jutta Maßmann.