Henri Röttger

Geschäftsstelle
Mitmachen erwünscht

Henri Röttger will als Jugendsekretär der IG Metall Bielefeld den Zusammenhalt der jungen Menschen in den Betrieben stärken und so auch gegen Rechts aktivieren.

5. Januar 2026 5. Januar 2026


Softblech wird oft mit ›The Cure‹ verglichen. Henri Röttger spricht lieber von »Postpunk« mit echten Gefühlen und englischsprachigen Texten. Die Band Softblech ist ein Duo, Henri spielt Gitarre und singt. Die Beats produzieren sie vor und spielen sie zu. Er und sein Bandkollege Dennis haben inzwischen etliche Bühnen gerockt und es zu einiger Bekanntheit gebracht – und werden ihre Proben und Konzerte künftig wohl auf das Wochenende konzentrieren müssen. Denn während Bandkollege Dennis in Berlin bleibt, zieht Henri nach Bielefeld, um Jugendsekretär zu sein. 

Auch wenn er in Hamburg studierte und in Berlin lebte, seine biografischen Wurzeln hat der 29-Jährige in Westfalen. Aufgewachsen in Harsewinkel, machte er eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei Miele GTG in Gütersloh. »Ich dachte, die Qualität der Ausbildung ließe sich verbessern. Und gestört hat mich, dass es keine garantierte Übernahme gibt«, blickt er zurück. Damals führten diese Gedanken dazu, dass er für die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) kandidierte und gewählt wurde, später in die Gesamt-JAV für alle sieben Miele-Standorte bundesweit. Im jungen Alter war er bereits Teil der IG Metall-Tarifkommission, die einen Zukunftstarifvertrag für Miele GTG aushandelte, zugleich im Ortsvorstand der IG Metall Gütersloh-Oelde und immer wieder Teamer bei Seminaren. 
 

Da fehlt noch was

Mit 26 Jahren hatte er aber das Gefühl, da fehlt noch was. Und packte seine Sachen, um in Hamburg Sozialökonomie zu studieren. Ein Stipendium der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung hatte er in der Tasche. Der Studiengang vermittelt auch kritische Inhalte, Gewerkschaften kommen vor und spielen eine beachtliche Rolle. »Zum Arbeitsrecht habe ich dort viel gelernt, aber auch mein Verständnis vertiefen können, warum Gewerkschaftsarbeit wichtig ist«.

Seine Mutter erinnert, dass er schon als Kind den Zusammenhalt in der Gruppe fördern und Teilhabe sichern wollte. Klingt sehr vernünftig, richtig und erwachsen, Kinder in der Kita können das auf ihre Weise aber auch schon. Seiner Beobachtung nach sind Jugendliche und damit auch Azubis heutzutage auseinandergedriftet: konkret durch die mit Corona verbundenen Einschränkungen, aber auch andauernd durch die heftige Nutzung Sozialer Medien. »Durch die Kanäle wird auch jede Menge Müll reingespült, der falsch, vereinfacht oder tendenziös ist. Junge Menschen sind empfänglicher als ältere. Wenn sie sich viel auf sozialen Medien tummeln, kann dies zur Beeinflussung durch Rechts führen«, fügt er an. Ausschließen will er niemand. »Jeder Mensch ist individuell, man muss mit allen reden, das gilt auch im Betrieb«, sagt er, »aufklären hilft, aber auch, Solidarität in einer Gewerkschaft erlebbar zu machen«. Das verbreitete Treten nach unten ist für ihn ein No-Go. »Es gilt, nach oben zu schauen und an die Strukturen ranzugehen, statt die Ellbogen gegen die Kollegen links und rechts und vor allem unten auszufahren«.

»Super aufregend« findet er dass, was ihn ab 1. Januar 2026 erwartet. Im Wechsel wird er eine Woche in der Geschäftsstelle Bielefeld, die andere Woche in der Geschäftsstelle der IG Metall Gütersloh-Oelde arbeiten. Janina Hirsch, die bisherige Jugendsekretärin, wird künftig andere Aufgaben im Team der Geschäftsstelle übernehmen.